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Chronik

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Der Name dürfte der erste Gag gewesen sein, denn die Gründer kamen aus gutem und fröhlichem Hause. Chronik und Zeitzeugen berichten, daß die jungen Männer, die sich 1935 beim Wirt Knotte in Dellwig trafen, in der Laienspielschar des Jungmänner-Vereins und der Theatergemeinschaft Borbeck Bühnenerfahrung gesammelt hatten.

Hier verschworen sie sich dem Gott Jokus und hoben die Gesellschaft aus der Taufe. Die Gründer waren Jupp Melles, Willi Richrath, Karl Uhlenbrock, Hans Lunckebein, Hermann Melles, Heinz Wigge, Karl Knotte und Ob.-Ing. Urban. Präsident wurde Jupp Melles und sollte es 30 Jahre bleiben.

Die erste Sitzung fand am 11. 11. 1935 im Saal Knotte statt. Unter dem Motto „Rheinischer Abend in Dellwig“ wurde es trotz des Wochentages ein voller Erfolg. Das Programm wurde ausschließlich von Mitgliedern der Gesellschaft getragen und sollte auch in nächster Zeit zum Erfolg der jungen Gesellschaft beitragen. Außer bei Knotte wurde noch der Saal im Vereinshaus Borbeck und in der Waldschenke festgemacht.

Alle drei Säle hatten ein gutes Fassungsvermögen und waren auch 1936 immer ausverkauft. An manchen Abenden mußten die Kassen lange vor Beginn wegen Überfüllung geschlossen werden. 800 verkaufte Karten waren keine Seltenheit! Ein Name aber, ohne den Erfolg der Anderen zu schmälern, ging wie ein Stern auf: Henny Melles. Sie wurde zum regelrechten Publikums-Magneten und sollte es auch lange bleiben.

Aber dann kam der Zweite Weltkrieg und ließ mit seinem Schrecken und Greuel die Menschen erschaudern. Auch der Gesellschaft schlug er tiefe Wunden und ließ einige Lücken zurück.


Als man sich wiederfand, waren alle etwas schmaler und abgezehrter, aber tief in ihren Herzen hatten sie ihren Humor bewahrt. Den brauchten sie auch dringend, denn fast alle Säle waren zerstört. Wie viele andere Gesellschaften auch gingen sie auf Tournee. Damit sie in Borbeck Flagge zeigen konnten, fanden Sitzungen in begrenztem Rahmen bei Gummersbach, Dernovcek und Lau statt.

Der Generationswechsel an der Spitze fand 1965 statt. Jupp Melles übergab nach fast 30 Jahren die Präsidentschaft an Ernst Klemt.

Um überhaupt in Essen im großen Rahmen auftreten zu können, gestalteten sie das Karnevalsprogramm für die Metzger-Innung im Steeler Stadtgarten. 1968 fand nach fünf Jahren Pause wieder ein Rosenmontagszug statt. Zuschuss gab es keinen und der Kassierer, genannt „Pfennigfuchser“, saß auf seinen paar Kröten.

 

Das Ergebnis, da Zuschauer das Witzige lieben, lieferten wir einen Gag und bauten ein Boot. Kein pompöser Elferratswagen, einfach nur ein paar Dachlatten, die Bespannung und Beschriftung, ein lenkbares Rad vorn, zwei Stützräder und das Boot war fertig. Den Elferrat hinein gestellt und zu Fuß wurde von der Gruga bis zur Innenstadt „gepaddelt“. Von vielen Gesellschaften bei der Abnahme belächelt, wurde das Boot am Straßenrand von Beifall begleitet. Bei den Essener Tageszeitungen fand dieser Beitrag eine positive Presse. Die größte Überraschung aber war der überregionale Mittag. Er brachte in seiner Reportage über „Rosenmontagszüge von Köln bis Münster“ vom Essener Zug nur das Bild von unserem Boot.


Im gleichen Jahr wurde das Schloss wieder bewirtschaftet und wir belegten es mit allen Terminen. Das Publikum eroberten wir im Sturm, berichtet Karl Thomas, damals Zeremonienmeister und bei Veranstaltungen und Wagenbau immer dabei. Dieser Glücksfall dauerte drei Jahre, Wirt Zöller warf das Handtuch und alles fing von vorn an. Mit einem Unterschied: Für die Bösen Buben war es jetzt ihr Schloss. Also nahm der Präsident Kontakt mit der Brauerei auf, die damals für die Verpachtung zuständig war. Das war gut so, denn als es 1972 soweit war, hatten wir schon vor der Eröffnung die Termine klargemacht. Es wurde eine fruchtbare Verbindung zwischen dem damaligen Schlosswirt Johannes Tacke und den Bösen Buben.

 

In Eile wurde eine neue Veranstaltung vorbereitet: Tanz in den Mai - mit Unterhaltung, Musik und Wahl der Maikönigin. Im nächsten Jahr kam noch eine große Pflanzen- und Blumentombola hinzu.

Aber vorher hatte Präsident Ernst Klemt eine Idee in klingende Münze umgesetzt: die Verleihung des goldenen „Borbecker Groschens“ an den Bürger des Jahres.

Es war eine vergoldete Nachprägung des Originals, welches Fürstin-Äbtissin Sophie von Gleichen von 1463 bis 1489 in der Münze prägen ließ.  Die Kriterien sind einfach und unmißverständlich: Einer von den Stillen im Lande, die für ihre Mitmenschen einfach da sind und helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Ausgeschlossen sind alle Personen, die durch Beruf oder Berufung sowieso dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Am 11. 11. 1972 fand die erstmalige Verleihung an Frau Beate Brunnert durch Bürgermeister Fritz Scheve statt.  Die Idee rief ein positives Echo hervor. Selbst ehemalige Borbecker aus dem In- und Ausland drückten in vielen Briefen ihre Anerkennung aus.


Auch die nächste Idee begann schon zu reifen und Formen anzunehmen. Seit einigen Jahren veranstaltete die Gesellschaft im Schloss einen Kinderkarneval. Er war immer mit 330 Teilnehmern restlos ausverkauft. Nach vielen Monaten Vorarbeit und großem Organisationsaufwand wurde der „KiKaBo“ 1975 aus der Taufe gehoben. Initiator und Cheforganisator war Präsident Ernst Klemt, Pate und Namensgeber Landtagsabgeordneter Ludwig Wördehoff. Er ebnete die Wege zu den Behörden und half dort manche harte Nuß zu knacken. Träger und damit Veranstalter wurde die Gemeinschaft Borbecker Karneval.

 

Am Karnevalsonntag zogen erstmalig sternförmig kostümierte Kinder, begleitet von Musikkapellen, unter Aufsicht der Polizei und der beteiligten Gesellschaften zur Arena.

Das Bilderbuchwetter hat bestimmt dazu beigetragen: Als die Züge ankamen, war die Arena schon gut besetzt, aber jetzt platzte sie aus den Nähten. Einige Verwegene saßen in den Blumen oder hingen in dem damals noch nicht zur Berühmtheit gelangten Maschendrahtzaun. 15.000 Besucher, schrieb die Presse und berief sich auf Angaben der Polizei.

Diese Doppelbelastung wurde für einen Mann zu viel, zumal noch die Eröffnungsveranstaltung für den Ferienspatz im Schlosspark dazukam. Pünktlich beim Übergang zur Session 1976 übergab Ernst Klemt den Präsidentenstab an Heinz Wessel. Aber schon am 22. 4. 77 trat Heinz Wessel aus Gesundheitsgründen zurück.


Sein Nachfolger wurde Dieter Diederich der bis 2001 unserer Gesellschaft in der immer schnell lebigen Zeit vorstand. Er führte souverän und gekonnt durch die Sitzungen und hatte eine gute Nase dafür, was beim Publikum ankam. Die Herrensitzung, die 1977 erstmalig stattfand, war für ihn Chefsache. Außerdem nahm er den Hausfrauennachmittag und den Senatorenball am Rosenmontag in die Veranstaltungspalette auf.

 

Am Rosenmontag 2001 gab es einen erneuten Wandel. Der Präsidentenstab wurde übergeben an Herbert Lingenberg. Als langjähriger engagierter Karnevalist wird mit ihm eine humorvolle Ära zeitgeschichte schreiben. Selbst beim Damenelferrat, der 1978 zum ersten Mal auftrat, macht er als einziges männliches Wesen eine gute Figur.

Doch ein Verein besteht nicht nur aus Veranstaltungen, sondern hat auch eine Führung. Das Dreigestirn wird komplett mit dem langjährigen Vorsitzenden Hans Löhrmann und dem Geschäftsführer Peter Kosten.

Stolz sind wir auch auf unsere Ehrensenatoren Siegfried Becker, Bundestagsabgeordneter Hans-Günter Bruckmann, Rechtsanwalt Wolfgang Dannenberg, Manfred Kleine-Möllhoff, Franz-Josef Marré, Bernhard Tonner, und last but not least unsere Ehrendame Ruth Krämer die unseren Verein tatkräftig unterstützen.

Ein Sahnebonbon und unser Stolz zum Schluß: Das Borbecker Schlossballett. Das Ballett feiert in dieser Session ihr 30jähriges Jubiläum.

Als das Ballett in der Session 74/75 gegründet wurde, hatte niemand im Vorstand hochgesteckte Erwartungen. Es gab eine Person, die das anders sah, weil sie eine bestimmte Vision hatte: Bärbel Müller, Leiterin, Trainerin und Freundin in einer Person. Niemand erkannte auf Anhieb die Energie und die Kraft, die in ihr steckten, um aus einem Rohling einen Diamanten zu formen. Bis auf ihren Vater, Friedl Köllner, der Sie tatkräftig unterstützte, um die Gründung im Vorstand durchzusetzen. Nur die Beteiligten wissen von dem schweißtreibenden Training und der Knochenschinderei, bis getanzte Musik so graziös aussieht. Als die ersten Erfolge sich einstellten, legte sie die Messlatte immer höher an, um ihr Ballett zu motivieren, dass das Beste immer noch besser als gut ist. Heute, nach 30 Jahren, gehören sie im Showtanz zu den Besten in Essen und Umgebung.

Wenn sie Musik, Tanz, Artistik, verbunden mit den phantastischen Kostümen zu einer perfekten Show werden lassen, sind sie die besten Botschafter für den Borbecker Karneval.

Und auch hier setzt sich die Familientradition durch. Seit 1999 hat die Schwester von Bärbel Müller, Helga Köllner, die Regie übernommen und leitet das Borbecker Schlossballett in gekonnter und beherzter Weise. Heute weiß nicht nur der Verein, dass dieser Geburtstag vor 30 Jahren eine Sternstunde für den Karneval war.

Um den Nachwuchs sicherzustellen, wurden 1990 die „Lollipops“ gegründet, deren Leitung seit 1999 Gabi Feldkamp und Martina Optitz innehaben und die sich mit viel Elan und Fürsorge um die „Aufbauarbeit“ kümmern.

Doch 1979 gab es für das „Schloß Ballett“ Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Angeregt durch die Ausdrucksstärke und Grazie des Balletts wollten die Herren der Schöpfung nicht zurückstehen und gründeten die „Schloß Elfen“. Sie trainieren hart, um so gekonnt und graziös mit stählernen Körpern über die Bühne zu schweben. Die schweiß-treibende Aufgabe als Trainerin hat 2004 Petra Robusch übernommen.

Wir sind guten Mutes mit unserer heutigen „Besatzung“ weiterhin ein Stück Borbecker Karnevalsgeschichte schreiben zu können.

H E L A U!

 
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